Bernd Will – Ein Leben auf dem Weg – Immer weiter zur Himmelsleiter …

ein Nachruf von Jens Haag

Die Natur hat jederzeit recht, und gerade da am gründlichsten, wo wir sie am wenigsten begreifen.

(Quelle: Goethe, J. W., Autobiographisches. Italienische Reise, 2. römischer Aufenthalt vom Juni 1787 bis April 1788)

An dieser Stelle erinnern wir an Bernd Joachim Maria Will geboren am 15.08.1940, gestorben am 28.07.2019, der am 07.01.2020 im Südfriedhof in Frankfurt am Main, Sachsenhausen beigesetzt wurde.

Anfang der 60er Jahre erreichte eine Junge Generation von Pädagog*innen die Bildungseinrichtungen der Stadt Frankfurt. Sie waren noch während des Zweiten Weltkrieges geboren worden, hatten jedoch den größten Teil ihres Lebens in der Zeit des Wiederaufbaus und den Wirtschaftswunderjahren verbracht und trafen sich im Frankfurter Schullandheim Wegscheide. Dort versuchte man an die reformpädagogischen Bestrebungen der 20er Jahre anzuknüpfen und die Folgen des Krieges zu, bewältigen. Aus der Gruppe der Pädagog*innen ragte einer heraus, nicht wegen seiner Statur, sondern wegen seines Konzeptes, dass aus einer permanenten Suche nach Wegen durch die Natur, aus Spurensuche der geologischen Geschichte der Landschaft und der menschlichen Zivilisation bestand.

Nicht umsonst zierte das erste von Kollegen gestiftete Schild auf dem „Will-Platz“ der Satz, der fast als Motto seines Lebens zu verstehen ist: Wo ein Will ist, ist auch ein Weg.

Über das Gruppenleben auf der Wegscheide in Bernd Wills Klassenfahrten und Feriengruppen ließe sich so unendlich viel sagen, doch es würde den Rahmen dieses Nachrufs sprengen und würde doch der Vielfalt der Gruppenerfahrungen über die Jahrzehnte seiner Tätigkeit nicht gerecht werden, Singen, Basteln, Sport, die Leidenschaft der Ansprache, aber auch die Gemeinschaft im Kinderdorf und die gemeinsamen Aktivitäten mit anderen Gruppen haben unzählige „Wegscheidekinder“ geprägt und erfüllen sie bis heute mit Dankbarkeit und Anerkennung.

Bernd Wills Bedeutung auf der Wegscheide geht aber über die pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen hinaus, denn er war ein Beziehungsstifter und schuf immer wieder Gelegenheiten, dass sich die Kreise seines Lebens tangierten und überschnitten. Obwohl er nie dem Vorstand des Fördervereins der Wegscheide angehörte, war er ein treues Vereinsmitglied, Mitautor der „Informationen“ und häufig präsent an den Tagen der offenen Tür, wo er unterhaltsame und lehrreiche Führungen durch das Gelände anbot. Darüber hinaus fuhren zahlreiche „Wegscheider“ mit Bloomtours, wie seine Reisegruppe scherzhaft genannt wurde, nach Rom, Prag, Paris oder Wien, nach Weimar, auf die Insel Sylt, in den Rheingau oder in die Rhön. Auf den Reisen brachte er so Menschen aus unterschiedlichen Generationen zusammen. Die Qualität dieser menschlichen Begegnungen und die Fülle der Eindrücke und Erfahrungen, die wir im Laufe der Jahrzehnte gemeinsam erwanderten, lässt sich nicht ermessen.

Uns bleibt nur Trauer und Ehrfurcht vor der Vielfalt an Erlebnissen, aber auch die Freundschaft und Geselligkeit, die er anbot und die wir mit Bernd Will teilen durften.

Und ist sie vorbei dann die fröhliche Zeit, Wenn der Fink nicht mehr schlägt und der Kuckuck nicht schreit. Dann bringt's Orber Rössel mein Ränzerl ins Tal. Drei Birken auf der Heide und die sind bald kahl. Dann bringt's Orber Rössel mein Ränzerl ins Tal, Drei Birken auf der Heide und die sind bald kahl.

(Quelle: Wilhelm Bardorff: Das Wegscheidelied, 4. Strophe)